Nachdem am 13. August 1961 die Berliner Mauer errichtet wurde, und die übrige Staatsgrenze der DDR hermetisch abgeriegelt werden sollte, fiel im Jahre 1962 die Entscheidung, die Halbinsel Bug (Dranske auf Rügen) für den Schnellbooteinsatz auszubauen. 1965 wurde die Volksmarine umgegliedert. Alle Stoßkräfte, d. h. Schnellbootsverbände wurden in der 6. Flottille zusammengefasst. Der Stützpunkt Bug wurde am 8. Mai 1965 - also 20 Jahre nach Kriegsende - mit einer Musterung offiziell wiedereröffnet. Nach der kaiserlichen Marine und der Luftwaffe des Dritten Reiches war die Volksmarine nunmehr die 3. Generation deutscher Soldaten die Einzug hielten.
Auch nach der offiziellen Einweihung musste am Stützpunkt weitergebaut werden. Im Zuge dieser baulichen Maßnahmen, wurde eine grausame Entdeckung gemacht. Ein Massengrab wurde freigelegt. Man glaubte zunächst, dass dort Häftlinge aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges verscharrt waren. Nach einer angeordneten Untersuchung, die keinen Aufschluss über die gesamten Umstände zuließ, brachten erst Dokumente aus dem Kirchenarchiv Licht ins Dunkel. Die menschlichen Überreste gehörten zu den Opfern einer Typhusepidemie unter Flüchtlingen aus dem Jahre 1945/ 1946. Die Skelettteile wurden in Dranske umgebettet.
Die erste Indienststellung des neuen sowjetischen Torpedoschnellbootes, Projekt 206, erfolgte am 14. Oktober 1968. Dass Boot erhielt den Namen "Artur Becker" mit der Nr. 841. Insgesamt wurden 18 Boote bis Oktober 1971 übernommen.
Der Bootskörper wurde aus Schiffsbaustahl in vollgeschweißter Ausführung gebaut. die 535-mm-Torpedos befanden sich jeweils an den beiden Bordseiten an einem aufgsetzten schmalen Deckhaus. Die je zwei hintereinander angeordneten Torpedorohre mit jeweils festem Schusswinkel zur Bootslängenachse waren dort aufgestellt. Die Torpedos wurden mittels einer Pulverkartusche, entweder elektrisch oder mechanisch, abgefeuert. Zusätzlich waren diese Boote mit zwei 30-mm-Turmwaffen in Doppellaffette zur Bekämpfung von See- und Luftzielen ausgerüstet. Diese waren mit einer Funkmess-Waffenleitanlage gekoppelt. Ein Handrichten beider Geschosse konnte synchron auch mittels einer Ferbediensteuerung mit optischer Visiersäule vorgenommen werden. Die Antenne der Funkmessstation sowie die Antennen der FFK-Anlage und UKW-Stationen wurde von einem Vierbein-Gittermast getragen. Die Boote konnten auf Befehl mit Wasserbomben ausgestattet werden. Weitere Verteidigungsmöglichkeiten bestanden darin, dass die Boote zum Minenlegen eingerichtet waren, ebenso befand sich eine Nebelanlage an Bord. Drei 42-Zylinder-Stern-Reihenmotoren mit jeweils 4000 PS dienten als Antrieb. Die Steuerung erfolgt derart, dass sie mittels einer Fernbedienanlage mit drei Fahrständen - Brücke außen, innen und Maschinenleitstand - bedienbar waren. Eine Höchstgeschwindigkeit von 46 sm/h konnte erreicht werden. Die Energie hierfür lieferten drei Diesel-Generatoren.
Mit Wirkung vom 1. Dezember 1971, nachdem das 18. Boot übernommen wurde, trat eine Umstrukturierung der gesamten 6. Flottille statt. Es wurden drei gemischte Raketen- und TS-Bootsbrigaden anstelle der typenreinen Brigaden gebildet. Ab 1971 sind die TS-Boote zur Nutzung als Ausbildungsboote in die Schulbootsbrigade abgestellt worden. Die Außerdienststellung der ersten Boote erfolgte am 1. September 1984. Ab Februar 1990 begann man mit der Verschrottung der letzten Boote.
Am 24. September 1990 wurde die NVA und somit die Volksmarine der DDR offiziell aus der Militärorganisation des Warschauer Vertrages herausgelöst und zum Tag der deutschen Einheit formal aufgelöst. Entsprechend des Einigungsvertrages erfolgte am 3. Oktober 1990 der Beitritt der DDR zur BRD. Die Fahnen wurden eingeholt.
Die Befehlsgewalt der NVA-Angehörigen ging an das Bundesverteidigungsministerium über. Die Soldaten im Grundwehrdienst wurden sofort übernommen. Das Dienstverhältnis der Berufs- und Zeitsoldaten ruhte allerdings. Bis zum Jahresende 1990 musste ca. die Hälfte von ihnen die Armee verlassen. Weiteren Soldaten bot man an, sich zunächst für einen Zeitraum von 2 Jahren bei der Bundeswehr zu verpflichten. Die "Verlierer" waren die Offiziere. Es wurde nur ein geringer Teil von ihnen übernommen. Die militärische Nutzung des Stützpunktes Bug endete am 31. Dezember 1990.
Zum Schluss noch ein Auszug aus dem Buch "Kommando Ostsee - Vom Matrosen zum Admiral" von Theodor Hoffmann:
" ... Ein knappes Jahr später, am 2. Oktober 1990, 24.00 Uhr, hörte die Nationale Volksarmee und damit die Volksmarine auf, zu bestehen. Sie hat die Flagge nicht vor einem Feind niedergeholt, sondern hat sich loyal zu den Beschlüssen der Regierung de Maizière und der Volkskammer der DDR, zu dem erklärtem Willen der Mehrheit der Bevölkerung nach einem raschen Vollzug der Vereinigung beider deutscher Staaten verhalten, ist mit Würde in die deutsche Einheit gegangen ..."
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